23. April 2020 –
Im Zuge der Corona-Krise ist immer wieder von verschiedenen Zahlen und Begriffen wie der Reproduktionszahl R oder Inzidenz die Rede. Wir erklären sie euch.
Diese Zahlen gibt es:
Fallzahlen Deutschland: Die Fallzahlen fassen alle gemeldeten Coronafälle in Deutschland zusammen. Wichtig: Die Fallzahlen beinhalten alle Coronafälle in Deutschland inklusive der genesenen Fälle. Das bedeutet, dass die Corona-Infizierten, die mittlerweile genesen sind, nicht aus den Fallzahlen heraus gerechnet werden. Deshalb sinken die Fallzahlen auch nicht, sondern steigen stetig an.
Inzidenz: Die Inzidenz ist eine Messgröße aus der Epidemiologie und beschreibt, wie häufig Ereignisse innerhalb einer bestimmten Zeitspanne auftreten können - hauptsächlich bei Krankheitsfällen. Sie gibt also die Anzahl der Neuerkrankungen einer bestimmten Krankheit innerhalb einer definierten Bevölkerungsgruppe und während eines bestimmten Zeitraums an. Diese Angaben können dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit von Krankheitsausbreitungen zu berechnen.
Reproduktionszahl R: Die Reproduktionszahl R beschreibt die Menge der Personen, die eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Das bedeutet bei einer Reproduktionszahl, die bspw. bei 2 liegt, dass jeder Infizierte im Schnitt zwei Personen ansteckt. Die Reproduktionszahl errechnet sich aus den bestätigten Coronafällen, die an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt werden. (Die Daten, die dem RKI übermittelt werden, kommen aufgrund der Meldeketten nicht in Echtzeit beim RKI an, sondern mit Verzug. Deshalb wird zur Berechnung der Reproduktionszahl zusätzlich ein statistisches Verfahren, das sogenannte Nowcasting genutzt.)
(Nowcasting: Um trotz Meldeverzögerungen der Coronafälle die Reproduktionszahl R berechnen zu können, wird ein statistisches Verfahren, das Nowcasting, genutzt. Das Nowcasting kann erst eingesetzt werden, wenn klar ist, wie groß der maximale Meldeverzug bei einem Ausbruch ist. Also wie lange (Stunden/Tage/Wochen) es dauert, bis die Daten beim RKI ankommen. Beim Coronavirus dauerte es deshalb bis Ende März, bis das Nowcasting mit verlässlichen Berechnungen eingesetzt werden konnte.)
Reproduktionszahl R0: Zu Beginn einer Pandemie gibt es den Startwert R0 (auch Basisreproduktionszahl genannt). Dieser Wert beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt, wenn jeder in der Bevölkerung für das Virus empfänglich ist. Also wenn es noch keine Immunität der Bevölkerung gibt, keinen Impfstoff und noch keine Infektionsschutzmaßnahmen getroffen wurden, wie z. B. Abstandsregelungen oder das Tragen von Schutz- bzw. Alltagsmasken. Bei SARS-CoV-2, also dem Coronavirus, liegt R0 zwischen 2,4 und 3,3. Das bedeutet ohne entsprechende Schutzmaßnahmen steckt jeder Infizierte im Schnitt mehr als zwei bzw. mehr als drei Personen an.
Wichtig: Ohne entsprechende Schutzmaßnahmen würde die Zahl der Infizierten bei dem Basiswert R0, der zwischen 2,4 und 3,3 liegt, also exponentiell schnell zunehmen. Die Ansteckungsrate würde erst stoppen, wenn bereits 70% der Bevölkerung am Virus erkrankt wären und die Infektion überstanden hätten, also immun wären und das Virus nicht mehr weiterverbreiten können.
Zeitabhängige Reproduktionszahl: Die zeitabhängige Reproduktionsszahl ist die Zahl, die durch Infektionsschutzmaßnahmen erreicht wird.
Das bedeutet:
Wichtig: Die Reproduktionszahl bietet für sich allein genommen keinen ausreichenden Maßstab, um für die Wirksamkeit oder Notwendigkeit von bestimmten Maßnahmen, wie z.B. Abstandsregelungen, herangezogen zu werden. Um zu errechnen, wie wirksam die Schutzmaßnahmen sind, müssen zusätzlich die absolute Zahl der täglichen Neuinfektionen sowie die Schwere der Erkrankung herangezogen werden.
Zahl der Todesfälle: Die Zahl der Todesfälle fasst die Personen zusammen, bei denen durch einen Labornachweis bestätigt wurde, dass sie aufgrund einer Infektion an SARS-CoV-2 gestorben sind. In der Praxis ist es teilweise schwierig, zu unterscheiden, in welchem Ausmaß die Coronavirus-Infektion zum Tode beigetragen hat.
Deshalb werden bei den Todesfällen aktuell die Personen erfasst, die unmittelbar aufgrund des Coronavirus gestorben sind ("gestorben an") und die Personen mit Vorerkrankungen, bei denen eine Infektion mit dem Coronavirus vorlag, sich aber nicht abschließend nachweisen lässt, dass das Virus auch die Todesursache war ("gestorben mit").
Zahl der Genesen: Die Zahl der Genesen wird vom RKI geschätzt. Bei seiner Schätzung stützt sich das RKI dabei auf die Fälle, die zwar erfasst wurden, aber keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, sodass sie spätestens nach 14 Tagen "geschätzt" als wieder genesen gelten. Diese Anzahl wird täglich auf dem RKI-Dashboard zur Verfügung gestellt.
Warum sind die Zahlen so unterschiedlich?
Teilweise gibt es, je nachdem wo wir uns informieren, unterschiedliche Zahlen von bspw. Corona-Infizierten oder Genesenen - und das für den gleichen Tag. Diese voneinander abweichenden Zahlen können schnell für Verwirrung sorgen. Welche Zahl ist denn nun die richtige?
Die unterschiedlichen Zahlen lassen sich auf die Meldekette der Fälle zurückführen. Also auf den Weg, den ein Coronafall durch die Behörden nimmt, sobald er festgestellt wurde. Durch die langen Meldewege kann es zu Verzögerungen kommen, was zu unterschiedlich gemeldeten Zahlen in verschiedenen Bereichen führen kann.
Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht jeden Morgen die Corona-Fallzahlen, die bis Mitternacht eingegangen sind. Das bedeutet, dass es möglich ist, dass Städte oder Landkreise bei ihnen bestätigte Fälle bereits veröffentlicht haben, bevor diese beim RKI mit in die tägliche Statistik eingeflossen sind. Es kann also zu Differenzen zwischen den Zahlen von bspw. den einzelnen Städten, Landkreisen oder Bundesländern kommen, die diese auf ihren Internetseiten veröffentlichen und den Zahlen, die das RKI für das jeweilige Bundesland auf der eigenen Website veröffentlicht.
Darauf weist auch das RKI auf seiner Website hin: "Durch die Dateneingabe und Datenübermittlung entsteht von dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens des Falls bis zur Veröffentlichung durch das RKI ein Zeitverzug, sodass es Abweichungen hinsichtlich der Fallzahlen zu anderen Quellen geben kann."