03. Juli 2020 – Nele Schöning (deaktiviert)
Rasenpflege für echte Freaks
Der Rasenfreak - Der Mann, der Rasen liebt
Wer ist der Mann, der Sand auf seinem Rasen verteilt als würde er eine Strandbar eröffnen? Oder seinen Rasen bürstet als würde er seine Haare kämmen? Auf YouTube teilt der Rasenfreak Andreas Krauss seine Tipps für einen perfekten Rasen und erreicht damit mittlerweile über 30.000 Abonnenten. Wir verraten euch, wer hinter dem Rasenfreak steckt.
(Rasenfreak Andreas Krauss (l.) und Antenne Niedersachsen Moderator Torsten Creutzburg (r.) / Foto: Antenne Niedersachsen)
"Aus Liebe zum Halm" - so lautet das Motto eines Mannes aus einem kleinen Dorf in Niedersachsen. Andreas Krauss alias der Rasenfreak ist verrückt danach seinen Rasen zu pflegen. "Es ist ein Stück weit Naturverbundenheit", sagt er. Sein Rasen soll gleichmäßig grün, kurz geschnitten und ohne Trockenstellen oder Lücken sein. Bei ihm ist kein Platz für Unkräuter oder unerwünschte Kräuter, wie er sie nennt. Trotzdem hat er mit ihnen und anderen Problemen auf seiner Rasenfläche zu kämpfen. "Es wird nicht langweilig, weil man jeden Tag auch eine neue Situation hat. Es ist eine einzige Herausforderung", sagt er lachend.
Die Geburt des Rasenfreaks
Andreas Krauss erinnert sich an das Jahr 2018: "Wir kamen von einer fantastischen Motorradreise zurück nach Hause und es war alles vertrocknet. Ich habe vor der Reise die Bewässerungsanlage abgestellt, weil ich dachte: 'Naja, so schlimm wird es nicht werden'. Doch es war der heißeste Sommer überhaupt und wir waren fast sieben Wochen unterwegs." Daraufhin begann der 58-Jährige seinen Rasen wieder aufzupäppeln und seine Fortschritte mit der Kamera zu begleiten. "Und dann hab ich überlegt - Ja warum stellst du diese Videos nicht wieder mal bei YouTube hoch?", erzählt er über den Start seines YouTube-Kanals als "Rasenfreak".
Bereits im Jahr 2010 lud Andreas sein erstes Video auf der Plattform hoch. Nach seiner Reise 2018 fing er an kontinuierlich Videos zur Pflege seines Rasens hochzuladen und feierte bereits im selben Jahr 300 Abonnenten. "Und so entstand das ganz langsam", sinniert er über die Anfänge seines Kanals. Schon im April 2019 knackte er die 1.000 Abonnenten und ein Jahr später während der Corona-Krise explodierte sein Kanal schließlich mit 25.000 Abonnenten. Eins seiner Videos hat sogar über 900.000 Aufrufe.
Für den Rasenfreak ist das einfach unglaublich. "Ich freue mich vor allen Dingen auch, wenn meine Zuschauer mir Vorher-Nachher-Fotos schicken. Das finde ich einfach großartig", sagt der Rasenfreak. Er möchte mit seiner Leidenschaft zum Rasen andere ebenso faszinieren und begeistern, wie es bei ihm der Fall ist.
(Der Rasen des Rasenfreaks / Foto: Antenne Niedersachsen)
Alles Selfmade beim Rasenfreak
Andreas Krauss ist ein äußerst wissbegieriger Mensch: Sein Wissen über Rasen hat er sich komplett selbst angeeignet. "Dann habe ich angefangen mich damit zu beschäftigen. Ich habe darüber gelesen. Ich habe natürlich im Internet gesurft und so ist dann nach und nach das Wissen um das Thema Rasen entstanden", erklärt er. Aber dabei ist es nicht geblieben. Auch das Drehen und Schneiden von YouTube-Videos gehört mittlerweile zu seinem Hobby. Als sich sein Kanal immer weiter vergrößerte, entwarf er gleich noch zwei Logos.
Auch seine Familie unterstützt Andreas bei seinem sehr zeitintensivem Hobby. Zu Beginn seines YouTube-Kanals begleiteten ihn seine drei inzwischen erwachsenen Kinder sehr stark und es gab auch die ein oder andere Kritik von ihnen. Aber auch seine Frau spielt eine große Rolle bei seinen Videos: Denn eines Tages meldete sich der englischsprachige Rasen-YouTuber Connor Ward beim Rasenfreak und erzählte ihm, wie begeistert er von seinen Videos sei. Allerdings kann Connor Ward kein Deutsch und wusste somit nicht worüber der Rasenfreak in seinen Videos spricht. Deshalb fragte er, ob es nicht einen Untertitel geben könne. Daraufhin stieg Andreas' Frau ins YouTube-Untertitel-Geschäft ein, um die Sprachbarriere zu überwinden.
(Die beiden Logos des Rasenfreaks / Foto: Andreas Krauss)
Bunte Socken und Rasenschuhe
In seinen Videos präsentiert sich der Rasenfreak gerne in bunten Socken. "So ein bisschen Fröhlichkeit und Farbe ins Leben zu bringen. Das finde ich einfach toll", witzelt Andreas. Die Socken sind mittlerweile ein Stück weit zu seinem Markenzeichen geworden. Sogar seine Follower haben sie schon entdeckt: "Ich finde es ganz erstaunlich, wie aufmerksam der Zuschauer ist und sowas tatsächlich registriert."
Andreas begrüßte uns aber nicht nur in seinen bunten Socken, sondern auch in seinen Rasenschuhen. "Am liebsten möchte ich barfuß über meinen Rasen laufen. Aber wir haben einen weißen Teppich in unserem Haus und dann sind die Füße grün", sagt er. Das könne den Teppich verfärben. Deswegen hat er sich nun Barfußschuhe besorgt. So hat er nach wie vor das Gefühl barfuß über den Rasen zu laufen.
(Der Rasenfreak in grünen Socken und seinen Rasenschuhen / Foto: Antenne Niedersachsen)
Eine Leidenschaft, die früh begann
Bereits im Kindesalter entwickelte Andreas Krauss seine Liebe zum Rasen. "Mein Vater ist mit seinem Zweitakt-Rasenmäher über seine Rasenfläche gefahren. Das war eigentlich eher ein Dschungel. Er hat da eine Schneise eingemäht und ich bin als kleiner Junge hinterhergelaufen. Diese Mischung aus Zweitakt-Abgasen und Rasenschnitt hat mich damals schon völlig geflasht", erzählt er rückblickend auf sein sechs- bis achtjähriges Ich. Als er zum ersten Mal einen Golfplatz betrat, hat ihn die perfekte Rasenfläche dann komplett umgehauen. Von diesem Zeitpunkt an beschäftigte sich Andreas intensiv mit dem Thema Rasen.
Vor 20 Jahren kaufte sich der Rasenfreak seinen ersten Spindelmäher. Damit erfüllte er sich einen langersehnten Wunsch, denn so konnte er seinem Rasen einen Schnitt ähnlich einer Stoppelfrisur verpassen. Auch ein Streifenmuster, wie er es immer haben wollte, konnte er endlich mit dem Spindelmäher auf seinem Rasen erzeugen. Mittlerweile besitzt Andreas in seiner Sammlung acht verschiedene Rasenmäher, die alle ihre eigenen speziellen Funktionen haben.
(Andreas Krauss (r.) im Interview mit Antenne Niedersachsen Moderator Torsten Creutzburg (l.) / Foto: Antenne Niedersachsen)
Nachbarn und eine Monokultur
Die perfekte Rasenfläche ist mit viel Zeit und Aufwand verbunden. Damit der Rasen so schön satt grün und dicht ist, steckt Andreas täglich ein bis zwei Stunden Arbeit hinein. Während seine Familie ihn in seinem etwas ungewöhnlichem Hobby unterstützt, gehen die Meinungen der Nachbarn allerdings auseinander. Der eine möchte lieber nicht von Andreas Krauss beraten werden, ein anderer fühlt sich vom Lärm der Maschinen gestört und dann gibt es noch diesen einen Nachbarn, den Andreas mit seinem Hobby begeistern konnte.
Doch bei aller Liebe zu seinem Rasen weiß Andreas auch, dass es sich dabei um eine Monokultur handelt unter der Insekten leiden können. Das beschäftigt ihn und so versucht er gemeinsam mit seiner Frau durch Blumeninseln einen Lebensraum für die Tierchen zu schaffen.
(Blumeninseln sollen einen Lebensraum für Insekten schaffen / Foto: Antenne Niedersachsen)
Ups and Downs
Als Rasenfreak unternimmt man auch so manch verrückte Sachen, um seine Rasenfläche perfekt zu gestalten. So erinnert sich Andreas: "Wir haben hier tonnenweise Sand drauf gekippt. Speziellen Sand. Quarzsand." Die Gründe: Der Sand glättet die Fläche, verhindert Moosbildung, Pilze oder andere Krankheiten und sorgt für eine gute nährstoffreiche Hummusschicht. Ebenfalls ein wenig verrückt ist, dass der Rasenfreak seinen Rasen mit einem selbstgebauten Besenwagen bürstet. Dadurch soll der Tau weggebürstet werden und in den Boden gelangen. Feuchtigkeit auf der Grasoberfläche sei nie gut.
Doch auch beim Rasenfreak läuft nicht immer alles glatt. Einmal wollte er eine besonders gute Grassorte, die Agrostis Stolonifera, die auch auf Golfplätzen verwendet wird, nachsäen. Hätte die Sache nicht einen Haken gehabt, wäre er seinem Traum-Rasen dadurch wahrscheinlich noch ein Stück näher gekommen: Was Andreas zu diesem Zeitpunkt nicht klar war, war, dass diese Grassorte eine besonders intensive Pflege benötigt. Schon nach kurzer Zeit verfilzte sich der Rasen und wurde braun.
Von so etwas lässt sich der Rasenfreak nicht unterkriegen. Heute ist er besonders stolz darauf, dass er das blühende Gras in seinem Rasen reduzieren konnte. Denn blühendes Gras wolle wirklich keiner haben, wie er sagt. Und auch für die Zukunft hat Andreas noch weitere Ideen, die er in seinem Garten umsetzen möchte. Geplant sind die Veränderung seiner Grundstücksgestaltung und eine Grassorte zu säen, die die Rasenfläche noch weniger fleckig aussehen lässt - natürlich alles begleitet auf YouTube. Das ist zumindest der Plan.
Alles zum Rasenfreak
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